Auslandsjahr - Eine Erfahrung fürs Leben
von Temple Miller-Hodgkin, Julia Claaßen, Emilie Drees, Keno Kienetz
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Wie groß ist der Kulturschock wirklich?

Auslandsjahr - Eine Erfahrung fürs Leben

Ein Jahr in einem fremdem Land, Hoffnungen, Sorgen, Träume und Erwartungen sind ständige Begleiter. So auch bei den beiden Austauschschülern, die wir befragten.

Eine Erfahrung fürs Leben

Austauschjahr - eine Erfahrung fürs Leben

Wie groß ist der Kulturschock wirklich?

Andere Länder- andere Sitten. Jeder kennt dieses Sprichwort. Für Reisende und Weltenbummler machen gerade diese Unterschiede den Reiz aus, aber wie verhält es sich, wenn das neue, fremde Land für längere Zeit das neue Zuhause wird? Bleibt die Faszination für Neues erhalten oder werden die fremdartigen Sitten und Umgangsformen zu Hindernissen im Alltag? Ist es schwierig, sich an eine neue Gesellschaft anzupassen und bringt man die neu erlernten Verhaltensweisen wieder mit nach Hause? Kulturschock oder Lebenserfahrung?

Wir haben uns mit zwei Austauschschülern aus Amerika und Deutschland unterhalten und ihre Ergebnisse und Erfahrungen verglichen. Dabei gehen wir natürlich auf die deutsch-amerikanischen-Klischees ein und die beiden Austauschschüler ziehen ihr persönliches Fazit.

Sabrina Fuhrmann kommt aus Frankfurt und ist 18 Jahre alt. Von September 2014 bis Juli 2015 war sie in Topsham, Maine, USA. Dort in Maine traf sie erstmals Temple Miller, welcher zwei Jahre später einen Austausch nach Deutschland gemacht hat. Temple Miller ist 17 und lebt bei einer Gastfamilie hier in Friesland.

Erwartungen, Hoffnungen & Sorgen

Das typische Klischee des amerikanischen Lebens handelt davon, dass an jeder Ecke Fastfood verkauft wird, die Supermärkte riesig sind und es eine High-School-Hierarchie gibt, wie es in den typischen amerikanischen Filmen dargestellt wird. So ähnlich sahen auch die Vorstellungen der damals 15-jährigen Sabrina aus, jedoch war ihr klar, dass die Realität anders aussehen würde. Temple hatte ebenfalls klischeehafte Vorstellungen von Deutschland, aber er war sich der Fragwürdigkeit dieser Klischees bewusst. Typisch deutsch war für ihn, dass Deutsche gut organisiert wären, man hier viel Bier trinken würde, Strenge ein Merkmal der Deutschen wäre, wir auf unsere Umwelt achten würden und die Umgebung einen städtischen Charakter hätte.

Schnell stellte sich heraus, dass einige Vorstellungen durchaus begründet sind. „Oberflächlich betrachtet, sind die Deutschen sehr gut organisiert,” erzählt Temple, „aber eigentlich sind sie genauso spontan wie die Amerikaner,” fügt er hinzu und lächelt.

Ähnliche Erfahrungen machte auch Sabrina während ihrer Zeit in Maine. „Der kulturelle Unterschied zwischen den Staaten ist sehr groß,” betont sie. Außerdem sei sie zum Teil mit seltsamen Fragen konfrontiert worden: "Einmal wurde ich gefragt, ob es in Deutschland auch Hamburger gäbe,” erzählt sie lachend. „Das war schon ziemlich krass!”

Bevor Temple nach Deutschland reisen durfte, machte er noch einen Workshop in Washington D.C.

Er berichtet, dass in dem Workshop Erfahrungen von vorherigen Austauschschülern geschildert wurden. Eine Erfahrungen war, dass Freundschaften schließen unterschiedlich in Amerika und Deutschland sei. Die amerikanische Freundschaft sei wie ein Pfirsich, außen weich und innen hart. Er erklärt es so, dass man in Amerika schnell Freundschaften schließen könne, doch man erlangt schwer Vertrauen und echte Freundschaften. In Deutschland ist es genau umgekehrt, denn die deutsche Freundschaft sei wie eine Kokosnuss. Man muss die harte Schale durchbrechen, aber dann findet man den weichen Kern. ,,Dies kann ich auch so bestätigen”, meinte Temple.

Erlebnisse in Amerika: Sabrina

Im fremden Land angekommen, stehen die Austauschschüler einigen Fragen und Herausforderungen gegenüber. Wie verständige ich mich vernünftig? Wie bestreite ich den Alltag? Wie werde ich von meinen Mitmenschen aufgenommen? Für Sabrina begann die Umstellung auf Neues schon bei Kleinigkeiten. „Mir fiel auf, dass Menschen zum Beispiel anders mit den Fingern zählten und mich schief anguckten, als ich in einem Restaurant Pommes mit Majonäse bestellen wollte,” erzählt sie uns.  Allgemein sei sie sehr viel schüchterner gewesen als in ihrer Heimat, schildert sie weiter. Dass man ein anderer Mensch ist, wenn man eine andere Sprache spricht, könne sie bestätigen. Weiter berichtet sie uns, sie könnte nicht alle Hobbies und Sportarten, die sie normalweise ausübt, auch in der Staaten verfolgen. Daher habe sie sich vermehrt auf neue Sachen eingelassen, die sie von zuhause nicht kennt, was sie jedem weiterempfehlen könne. Besonders positiv aufgefallen sei ihr aber das Schulsystem. „Um ehrlich zu sein, gefällt mir das Kurssystem besser in den USA als hier”, gibt sie offen zu. Leicht zugänglicher Unterricht und eigene Schulstunden zum Nacharbeiten und für Hausaufgabenhilfe hebt sie besonders lobend hervor.

Erlebnisse in Deutschland: Temple

Temple, der aktuell im Austauschjahr steht, beschreibt uns seine ersten Erfahrungen bzw. Erlebnisse, die er in Deutschland gemacht hat. In Bremen wurde er von seiner Gastfamilie am Bahnhof abgeholt und „daheim” angekommen, wollte er die Terrassentür öffnen und stellte sie auf „Kipp”, was es in den USA nicht gibt. Er dachte, er hätte die Tür kaputt gemacht. In den ersten drei Wochen in Deutschland fuhr er jeden Tag nach Bremen und besuchte dort einen Sprachkurs. Da er jedoch vorher in Amerika bereits einen Deutschkurs auf der High-School belegt hatte, hat ihm der Kurs nicht viel weiter geholfen. Nach den drei Wochen ging er mit seinem Gastbruder zur Schule, doch in den ersten Monaten in der Schule verstand er noch ziemlich wenig. „Aber mit der Zeit ging es immer besser und mittlerweile verstehe ich so gut wie jedes Wort”, verrät unser Mitschüler Temple. In den USA waren Leichtathletik, Cello und Piano spielen seine Hobbies und hier in Deutschland kann er seine Leidenschaft zum Cello weiter ausleben. Er besucht aktuell auch einen Cello-Workshop. Anstatt Leichtathletik zu machen, spielt er hier in Deutschland Handball. Temple machte in Amerika auch viel mit seinen Freunden und behauptet, dass man in den USA bessere Möglichkeiten hat, etwas mit Freunden zu unternehmen, weil man mit 16 Jahren schon im Besitz eines Führerscheins sein kann. Dafür könne man in Deutschland besser Party machen, da hier die Eltern entspannter sind.

Ende Juni wird Temple wieder zurück in die USA reisen und wir haben ihn gefragt, was er am meisten vermissen wird:

•    Freunde

•    Selbstverantwortung

•    öffentliche Verkehrsmittel

•    deutsche Süßigkeiten

•    Curryketchup

Fazit:

Wir haben beide um ein Fazit gebeten. Sowohl Temple, als auch Sabrina sind sehr begeistert und können es jedem nur weiterempfehlen, der seinen Horizont erweitern möchte. Beide geben an, sie seien durch diese Erfahrung selbständiger geworden.

"Ich bin dadurch ein stückweit ein neuer Mensch", erzählt uns Sabrina. Auch Temple meint, er würde gerne wiederkommen und er habe sogar in Betracht gezogen, hier zu bleiben, erzählt er uns mit einem Augenzwinkern.

Schlussendlich kann man auch sagen, dass die Menschen in den beiden Ländern nicht so unterschiedlich sind und man in beiden Ländern ähnlich gute Erfahrungen macht. Ein Austauschjahr ist also nur zu empfehlen.

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