von Leon Dörschel
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Schieferboards Lehrer heute und vor 50 Jahren

Schrill quietschende Schiefertafeln oder high Tech Smartboards? Wie sind Lehrer am effektivsten und wie werden die Schüler besser unterrichtet?

 

 

 

Um herauszufinden, was die beste Unterrichtsmethode ist, haben wir ein Interview mit Heike Ahlborn geführt, Geschäftsführerin des Schulmuseums Bohlenbergerfeld, über den Beruf Lehrer und wie er vor 5o Jahren war. Um das mit der heutigen Zeit vergleichen zu können, befragten wir ebenfalls eine Lehrerin der IGS Friesland Nord.

vor 50 Jahren:

Wie war der Beruf Lehrer vor 50 Jahren?

Der Beruf des Lehrers war weniger fordernd als heutzutage, da sich in der Gesellschaft, vor allem im Erleben der Kinder, Stichpunkt Internet/Reizüberflutung, sehr viel verändert hat.“

War der Unterricht damals so strukturiert wie heute?

Ich denke, dass der Frontalunterricht sehr viel mehr an der Tagesordnung war als heute. Ich glaube das Lernen ist heute freier und es wird mehr in Lerngruppen gearbeitet, was nicht heißt, dass der Unterricht heute nicht strukturiert ist, das ist er mit Sicherheit.“

Können Sie sich vorstellen, warum es sich jetzt so verändert hat?

Ich denke, es hängt mit einer Weiterentwicklung der pädagogischen Kenntnisse zusammen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Frontalunterricht heutzutage nicht mehr so einfach ist wie früher, da die Konzentrationsfähigkeit der Kinder auf Grund der Reizüberflutung durch die Medien stark nachgelassen hat.“

Man behauptet, dass Lehrer damals nicht so hoch angesehen waren. Stimmt das?

Ich glaube, es stimmt auch heute noch. Ich glaube, dass der Beruf des Lehrers vor 50 Jahren noch mehr geschätzt wurde als heute, aber noch lange nicht so sehr wie er sollte. Ich habe eine ganze Zeit in Amerika gelebt und da hat der Lehrer einen sehr hohen Status und wird von Eltern und Schülern sehr geschätzt und ich glaube, dass das bei uns im Land nicht so ist. Ich glaube auch, dass vor 100 Jahren, wie in meinem Museum dargestellt, der Respekt vor der Person viel höher war als 50 Jahre später und heute ist das gesellschaftliche Ansehen des Lehrers am geringsten.“

 

Wenn das Ansehen der Lehrkräfte höher wäre, wären dann auch die schulischen Leistungen der Schüler besser?

Möglicherweise. Ich glaube, dass engagierte Menschen, die gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, was natürlich die Voraussetzung ist, sich nicht für ein Lehrerstudium entscheiden, weil sie sich gesellschaftlich nicht anerkannt und vielleicht auch unterbezahlt fühlen, besonders im Grundschulbereich, da Grund- und Hauptschullehrer im Gegensatz zu Gymnasiallehrern nicht viel verdienen, obwohl die Arbeit gleich anstrengend ist. Also ja, ich könnte mir vorstellen, dass die Ergebnisse in den Schulen besser wären, wenn die Lehrkräfte anerkannter wären.“

Würden Sie sagen, das die Chance auf einen guten Abschluss damals wie heute gleich ist?

Ich glaube, heute wie früher hängt gute Bildung immer noch am Geldbeutel der Eltern. Die Chancen sind aber besser geworden, da die Menschen mehr Geld haben und es das Schulgeld nicht mehr gibt. Wenn man aus einem sozial schwachen Haushalt kommt, werden die Chancen, das Abitur zu machen, geringer sein, als wenn man aus einem gut situierten Elternhaus kommt, obwohl der Schüler in beiden Fällen die gleiche Intelligenz vorweisen kann“

Wenn Sie die Wahl hätten, heute oder damals zur Schule gehen zu dürfen, wofür würden Sie sich entscheiden.?

Ich bin 1968 eingeschult worden und ich bin zu dieser Zeit wirklich gerne zur Schule gegangen, obwohl ich nie eine blendende Schülerin war. Ich bin gerne zur Schule gegangen, weil ich gute Lehrer hatte und Schule mir Spaß gemacht hat und ich weiß nicht, ob das so viele Schüler heute sagen würden, also würde ich lieber vor 50 Jahren zur schule gehen.“

Schule heute:

Wie würden Sie den Beruf des Lehrers jetzt beschreiben?

Ich glaube, dass die Schüler heute anders fokussiert werden. Früher ging es um Gehorsamkeit, Ordnung, Disziplin und heute ist es eher Kreativität, Kritikfähigkeit, Ideen zu formulieren, also in der Hinsicht was man von den Schülern möchte, hat sich der Lehrerberuf verändert. Es geht nicht mehr nur um Disziplin, sondern darum, dass der Schüler ein allgemein-gebildeter Mensch wird und dazu gehört eben auch, dass man zu einigen Themen seine Kritik äußert oder kreativ wird. Das ist das, was sich ganz entscheidend zu dem Lehrerberuf von vor 50 Jahren geändert hat.“

 

Ist Frontalunterricht denn besser?

Ich denke, dass eine ausgewogene Art und Weise des Unterrichts stattfinden muss. Wenn es gegen Oberstufe geht und wichtige Inhalte vermittelt werden sollen, dann ist es sinnvoll, dass der Lehrer vorne eine moderierende Funktion übernimmt und auch mal frontal die Sicherungsphasen geführt werden. An sich aber ist nur vorne stehen und vorlesen nicht sinnvoll, da es den Schülern dann schwerfällt, zuzuhören und sie nicht aktiv werden können, was es erschwert, den Lernstoff wahrzunehmen, denn jeder hat seinen eigenen Lerntyp. Die einen können es gut aufnehmen, wenn der Lehrer redet, die anderen wenn sie selber lesen. Die einen sind praktisch veranlagt, die anderen eher theoretisch und man sollte versuchen, im Unterricht jeden Lerntypen anzusprechen.“

Man sagt, dass Lehrer früher wie heute nicht so hoch angesehen waren, wie sehen Sie das?

Die Voruhrteile bestehen immer noch und Lehrer ist natürlich einer der Berufe, die von den meisten Leuten bewertet werden können, da eigentlich jeder mal in der Schule war und deswegen fällt es auch allen leicht, zu sagen, wie es in der Schule so ist, aber es ist natürlich ein riesiger Unterschied, ob man jetzt Schüler ist oder Lehrer. Deswegen ist es in der Gesellschaft so, dass jeder meint, etwas zum Lehrerberuf sagen zu können. Daher wird auch heute noch viel gesagt, dass Lehrer ein Halbtagsjob sei, obwohl sich das auch langsam ändert. Früher standen die Werte Disziplin und Ordnung an vorderster Stelle, heute beschweren sich viele Lehrer darüber, dass sie die Erziehung der Kinder übernehmen müssen, aber das kommt mittlerweile in der Gesellschaft an und sorgt für Zustimmung.“

Glauben Sie, dass die Chancen, einen Abschluss zu bekommen, heute größer sind als vor 50 Jahren?

Ja einerseits durch die Einführung des Zentralabiturs, also das von der Landesschulbehörde vorgegeben ist, welcher Stoff in der Abiklausur vorkommt. Das führt dazu, dass das Abitur einheitlicher wird und mehr Leute ihr Abitur bestehen. Auf der anderen Seite steht das IGS System, in welchem besser an den Stärken und den Schwächen des einzelnen Schülers gearbeitet werden kann.“

Wenn Sie die Wahl hätten, heute oder vor 50 Jahren zur Schule zu gehen, wie würden Sie sich entscheiden?

Ich würde mich für die heutige Zeit entscheiden, denn es ist heute wesentlich entspannter aufgrund des Leistungsdrucks der früher auf einem lag und weil es bei Ungehorsam auch zur Nutzung des Rohstocks kam. Ich finde, dass man immer aus eigenem Antrieb heraus lernen sollte, denn heute geht es darum, dass der Schüler Kompetenzen erlernt, welche ihn im späteren Leben voranbringen und er sich trotzdem entfalten kann.“

 

Das Fazit

Wir können nach unserer Recherche und Auseinandersetzung mit dem Thema darauf schließen, dass Schule sowohl damals als auch heute Vorteile hat. Frau Ahlborn zeigt auf, dass Schule damals Spaß gemacht hat und Sie gerne wieder in die Schule vor 50 Jahren gehen würde, was man ja von sehr vielen Erwachsenen hört, die sich ihre Kindheit zurückwünschen. Frau Fritz hingegen, würde lieber in der heutigen Zeit zur Schule gehen, da die Aussichten auf einen guten Schulabschluss, heute besser seien. Wir als Besucher der heutigen Schule würden auch sagen, dass die heutige Art zu unterrichten besser ist. Doch wer mal etwas anderes ausprobieren möchte, kann dies im Schulmuseum in Bohlenberge tun. Man kann also abschließend sagen, dass es wohl auf die Zeit ankommt, in der man zur Schule gegangen ist und seine Erfahrungen gemacht hat und nicht unbedingt auf die Art und Weise des Lernens. Zudem ist es doch am wichtigsten, Spaß beim Lernen zu haben.

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