Anpassung der Kirche
von Denise Bohemann, Lena Aden, Nico Wehneit
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Anpassung der Kirche

Öde, langweilig, staubig: Religion und Kirche. Diese Vorurteile sind längst überholt, denn heutzutage passt sich die Kirche der Jugend an!

Das Gemeindehaus in Schortens dient als Treffpunkt der Jugendlichen.

In den Medien wird immer wieder von einem „Schrumpfungsprozess“ der Kirche gesprochen, doch lässt sich diese Aussage auch auf die heutige Jugend beziehen - schwindet das jugendliche Interesse an der Kirche immer mehr? Matthias Harbers, Dipl. Sozialpädagoge, der die Kinder- und Jugendgruppen in Schortens leitet, klärt auf, inwiefern diese Aussage zustimmt und was die Kirche macht, um das Interesse der Jugendlichen beizubehalten, während der evgl. Religionslehrer Henrik Bohlen erklärt, wie der Religionsunterricht dazu beiträgt, das Interesse in schulischer Hinsicht zu bewahren.

 

Dass es keinen direkten Schrumpfungsprozess bezüglich der Jugendlichen im Raum Schortens gebe, erklärt Harbers direkt zu Beginn des Interviews, indem er beispielhaft erläutert, dass die Konfirmandenjahrgänge sich stetig in einem Rahmen von 70 bis 100 Konfirmandinnen und Konfirmanden bewegen. Auch die angebotenen Kirchenaktivitäten werden von einer gleichbleibenden Anzahl von Jugendlichen besucht. Eine 14-jährige Schülerin und Konfirmandin sagte jedoch, dass sie nicht wisse, was es für Jugendaktivitäten gebe und über diese nicht richtig informiert sei, jedoch auch kein Interesse daran habe. Religionslehrer Bohlen klärt auf, dass im Allgemeinen das Interesse am christlichen Glauben in der Altersspanne zwischen 10 und 20 Jahren im Verlaufe der letzten zehn Jahre stark gesunken sei. Eine 17-jährige Schülerin hat eine gegensätzliche Meinung, denn sie sagt, dass sie sich sehr von kirchlichen Aktivitäten begeistern lasse.

Um noch mehr Jugendliche mit ihren Aktivitäten zu erreichen, benutze die Kirche bereits die modernen Medien, so Harbers. Beispielsweise kann man auf der Social Media Plattform Facebook die Seite „ejo – Evangelische Jugend Oldenburg“ besuchen, die über Aktivitäten im Kreis aufklärt. Zudem werden die Konfirmanden im Unterricht über Programme aufgeklärt, wie die Jugendgruppen oder auch das Trainee-Programm, in welchen man sich als „Teamer“ ausbilden lassen kann, um danach aktiv am Kirchen- und Gemeindeleben mitzuwirken. Besonders beliebt sind die Treffen bei den teilnehmenden Jugendlichen, da diese dort dem Alltagsstress entfliehen können, denn Harbers kritisiert, dass auch schon Jugendliche einen vollen Terminkalender besäßen und froh seien, wenigstens in den Jugendgruppen abschalten zu können. Er spricht zudem mehrfach davon, dass die Jugend entschleunigt werden solle, weshalb auch keiner dazu gezwungen werden sollte, die Kirche zu besuchen. Vielmehr sollte man sich aus eigenem Interesse mit dem Thema beschäftigen. Zum Fördern dieses Interesses werden besondere Gottesdienste auf Jugendliche abgestimmt und fallen teilweise aus ihrem alteingesessenen Schema, ohne dabei ihre Grundzüge zu verlieren. Dies empfindet auch Harbers als wichtig, denn durch Veränderung werden auch jüngere Gemeindemitglieder zum Kirchengang animiert. Weitere Veränderungen zur Annäherung der Jugendlichen sind, dass in manchen Jugendhäusern, wie in Roffhausen, freies WLAN eingeführt wurde und die neuen Medien in den Jugendgruppen kein Tabu mehr seien. Auch Bohlen empfindet die Modernisierung der Kirche als positiv, da sie etwas gegen ihr eigenes Aussterben tun müsse, weshalb sie versuchen sollte, dort gegenzusteuern. Das Annähern an die Zielgruppe Jugendliche, die die zukünftigen Kirchenmitglieder ausmachen, sei also ein guter Gedanke, um sie wieder für den christlichen Glauben zu begeistern.

Auch die Kindergruppe bietet ein weitreichendes Angebot, sagt Harbers: Dort beherrschen überwiegend Spiel und Spaß das Programm, so dass eine angenehme, kindergerechte Atmosphäre herrsche. Also auch wenn die Kinder keine weiteren Aktivitäten besuchen sollten, würden sie durch die Erfahrungen hinsichtlich des freundlichen Miteinanders und zwischenmenschlicher Kommunikation geprägt. Die Kinder würden des Weiteren offener und ließen sich auf die unterschiedlichsten Situationen ein, da die Kirche zu einer gewissen Offenheit beitrage.

Auch der Religionsunterricht trägt hierzu bei, meint Bohlen. Durch spannende Projekte, würden Schüler dazu begeistert, sich aktiv mit Religion auseinanderzusetzen. Beispielhaft nennt der Lehrer das Projekt „Pflanzt Hoffnung!“, welches er mit einer 9. Klasse durchführt.  In diesem Projekt besuchen die Schüler Krankenhäuser, Hospize o.ä. und geben dort zum Beispiel Spenden ab, um „Hoffnung zu pflanzen“. Bohlen betont jedoch, dass die Intention des Religionsunterrichtes nicht darin bestünde, die Schüler zu unterweisen, häufiger in die Kirche zu gehen, sondern religiöse Themen alltagsgetreu darzustellen, damit die Schüler sie auf sich beziehen können, um somit einen Lebensweltbezug herstellen zu können.

 

Abschließend lässt sich folgern, dass die Kirche gar nicht so langweilig ist, wie man zu denken vermag. Spannende Aktivitäten, Programme und Angebote bieten viel Spaß, sich aktiv am Kirchenleben zu beteiligen, während man zudem im Religionsunterricht aktuelle Themen bespricht, die aufklären, begeistern, faszinieren. Damit die Annäherungsversuche der Kirche zur Jugend also nicht vergebens sind, sollten wir, die Jugendlichen, ihr eine Chance geben, uns von ihr unterhalten zu lassen, damit diese sich nicht wieder von uns entfernt.

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