Balance... wie kann man sie erreichen?
von Vanessa Marks, Kamie Jekielek
0

Die Balance zwischen Schule und Leben, ist sie real und erreichbar oder nur ein Traum vieler Schüler?

School-Life-Balance -Realität oder unerreichbarer Traum?

Akku leer, nichts geht mehr. Jeder fünfte deutsche Schüler leidet an depressiven Stimmungen durch den starken Leistungsdruck in der Schule.

School-Life-Balance -Realität oder unerreichbarer Traum?

Akku leer, nichts geht mehr. Jeder fünfte deutsche Schüler leidet an depressiven Stimmungen durch den starken Leistungsdruck in der Schule. Die Balance zwischen Schule und Leben kann aber einfach wieder hergestellt werden, sagt der Psychotherapeut Dr. Götz Schwope.

Wer kennt es nicht? Man ist erschöpft hat keine Lust mehr zu irgendetwas in der Schule und auch in der Freizeit. Sophie, 17 Jahre alt (Name geändert), geht es wie vielen deutschen Schülern. Sie will einfach nur entspannen und nicht mehr an all die Verpflichtungen in der Schule, in der Familie und im Freundeskreis denken. Aber nein! Das ist für sie unmöglich. Sie denkt im nächsten Moment  an all die Hausaufgaben und Klausuren in den nächsten Wochen.

 Ihr Akku ist leer!

Sie steht ständig unter Strom und ist gleichzeitig am Ende ihrer Kräfte. Sophie redet kaum mehr, wenn das Telefon klingelt, geht sie gar nicht erst ran. Gespräche sind sinnlos. Zuhause knallt sie ihre Zimmertür hinter sich zu. Nach der Schule ist die einzige Rettung das Bett, die Stille und das Alleinsein. Im Bett liegt sie den ganzen Tag verkrochen unter ihrer Decke mit Blick auf den Klausurplan.

Wie entsteht dieses Gefühl überhaupt?

Laut Bella-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf leiden 20 Prozent der deutschen Schüler im Alter von 7 bis 17 Jahren unter psychischen Auffälligkeiten. "Die Schüler gönnen sich keine Pausen, keine Auszeit, keine Entspannung mehr, ihr Kopf ist ständig am Arbeiten", beobachtet der Psychotherapeut Dr. Götz Schwope. Céline (17 Jahre) kommt um 16 Uhr nach Hause. Dann lernt sie täglich zwei bis drei Stunden. Vivien(17 Jahre) lernt in der Klausurenphase sogar vier bis fünf Stunden ohne Pause. Lehrerin Julia Fritz erklärt, sie erwarte, dass die Schüler den Unterricht ausreichend vor-und nachbereiten.

Aber warum?

  Dr. Götz Schwope erklärt: "Der starke Leistungsdruck und Überforderung bei den Schülern entsteht durch die hohen Anforderungen an die junge heranwachsende Generation, die oft von den Erwachsenen und selbst den Eltern unterschätzt wird. Dadurch, dass sich Eltern oft Hilfe bei anderen suchen und ihre Kinder vergleichen, wird alles auf die Pubertät geschoben, eine depressive Stimmung nicht erkannt. Denn andere Kinder haben das Problem ja auch nicht, Symptome werden verdrängt, schlechte Noten auf Faulheit geschoben! Die Folge ist dann, dass Kinder und Jugendliche sich in ihre Depression reinsteigern und keinen Ausweg finden. Das bedeutet, dass sie entweder nur feiern und ausgehen oder nur am Schreibtisch sitzen und lernen, die Noten sich jedoch nicht verbessern und die Betroffenen sich ihrer eigenen Lage nicht bewusst sind."

Gibt es einen Ausweg? Einen Lösungsweg?

 Laut dem Psychotherapeuten, der auch zum Vorstand der niedersächsischen Psychotherapeutenkammer aus Niedersachsen gehört, ist dies möglich. Er nennt diese Methode „Achtbarkeitsregel“. In der Methode stellt man sich einen Wecker jede Stunde. Sobald dieser ertönt, atmet man drei- viermal tief durch und lässt alles stehen und liegen. Man nimmt sich also kurz Zeit für sich selbst. Solange man sich auf diese Methode einlasse, funktioniert diese auch und man wird entspannter im alltäglichen Leben und auch in der Schule, so der Experte. Eine andere Methode sei, sich einfach Zeit zu nehmen und auch mal auszugehen oder mit den Freunden ein Eis zu essen. Das helfe auch um Depressionen vorzubeugen.

Um der Entstehung einer depressiven Stimmung  vorzubeugen, sollte man selber darauf achten, dass man seine eingebrachte Leistung einteilt und nicht immer allem hinterherrennt und „burnt“. Denn je mehr Zeit und Energie man in eine Beziehung, das Lernen fürs Abi oder die Familie setzt, desto mehr möchte man ja zurückbekommen. Wenn die Betroffenen also fehlschlagen, das heißt keine eins im Abitur, eine in die Brüche gegangene Beziehung oder Ärger mit der Familie, verlieren sie den Halt. Deswegen sollte man sich, besonders als Schüler, des Öfteren selbst reflektieren und auch die Eltern müssen sich informieren und sensibilisieren. Hier tragen auch Schulen Verantwortung für die Sensibilisierung und Prävention, da sie einen der leitenden Faktoren darstellen.

Bin ich abhängig von meiner Leistung? Habe ich mehr Sehnsucht-Ziele als erreichbare Ziele? Bin ich zu ehrgeizig? Habe ich noch gute Sozialkontakte und nehme ich mir Auszeiten? Geht es meinem Kind gut? Sind meine Schüler überfordert? Kommen sie gut mit, können sie alles verarbeiten?

Es gibt aber einen Unterschied zwischen schwieriger Schulphase und depressiven Stimmungen, dem sogenannten „Burn-Out“. Eine depressive Stimmung dauert mindestens ein halbes Jahr und nicht nur ein paar Wochen! Trotzdem sollte man aus einer schwierigen Phase keine Depression werden lassen. Denn was früh erkannt wird, kann auch frühzeitig behandelt werden.

Sophie jedenfalls orientiert sich jetzt an der "Achtbarkeitsregel" und strukturierte ihren Alltag neu, mit neuen Ritualen und besonders Auszeiten. Sie nimmt sich jetzt ihre Zeit für sich, ihre Familie und Freunde. Mädelsabende finden wieder statt und die Zeit für Freibad und Eis im Sommer bleibt auch. Der starke Druck, den sie vorher verspürt hat, ist nur noch ein leichter Arbeitsdruck, ein Ansporn. Die Schülerin vergisst bei allem Fleiß auch ihre Selbstachtung nicht mehr. Sophie glaubt an sich. Die hat ihre „School-Life-Balance“ gefunden.

Zurück

Diskutiere über diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar